FREIBURG 12.11.2018

 


Gross­rä­tin Ursu­la Krat­tin­ger-Jutzet begrüsst zwar die Erhö­hung des Pen­si­ons­prei­ses in den Pfle­ge­hei­men auf 105 Fran­ken. Sie befürch­tet aber, dass der Preis in den nächs­ten Jah­ren auf die­sem Niveau ein­ge­fro­ren bleibt.


«Sehr zufrie­den» ist Gross­rä­tin Ursu­la Krat­tin­ger-Jutzet (SP, Düdin­gen) mit dem Ent­scheid des Gros­sen Rats, den Pen­si­ons­preis in den Pfle­ge­hei­men des Kan­tons für das Jahr 2019 um zwei auf 105 Fran­ken pro Per­son und Tag anzu­he­ben (FN vom 7. Novem­ber). Das sag­te sie im Gespräch nach dem Abschluss der Novem­ber­ses­si­on des Kan­tons­par­la­ments.

Kaum jemand im Sen­s­e­be­zirk kennt sich mit die­ser The­ma­tik so gut aus wie sie – ist sie doch Prä­si­den­tin des Ver­wal­tungs­ra­tes der Stif­tung St. Wolf­gang mit vier Hei­men und über 160 Bet­ten. Den par­la­men­ta­ri­schen Auf­trag, der die Erhö­hung des Pen­si­ons­prei­ses for­der­te, hat sie ini­tiiert, wobei Gross­rat Tho­mas Rau­ber (CVP, Tafers) sie dabei unter­stütz­te.

Fairer Lohn für alle

«Ich sah ein­fach, wie schwie­rig es ist, die Hotel­le­rie in den Pfle­ge­hei­men mit 103 Fran­ken pro Per­son und Tag zu finan­zie­ren», sagt sie. «Die meis­ten Hei­me erwirt­schaf­ten der­zeit ein Defi­zit.» Die von Gross­rat Peter Wüth­rich (FDP, Dom­di­dier) geäus­ser­te Mei­nung, dass fast zwei Drit­tel aller Hei­me im Kan­ton einen Gewinn erwirt­schaf­ten, sei zwar für die ver­gan­ge­nen Jah­re so gewe­sen, heu­te aber nicht mehr. Pro­ble­ma­tisch sei­en laut Krat­tin­ger-Jutzet in die­sem Zusam­men­hang die neue Ein­stu­fung des Abrech­nungs­sys­tems RAI, aber auch die Spar­mass­nah­men des Staats­rats, die den Pen­si­ons­preis in den letz­ten fünf Jah­ren bei 103 Fran­ken ein­ge­fro­ren hät­ten. Aus­ser­dem gebe es Inves­ti­ti­ons­be­darf in Sachen Arbeits­si­cher­heit, Hygie­ne und Infor­ma­tik.

Letzt­lich gehe es mit der nun beschlos­se­nen Erhö­hung dar­um, nicht nur die Leis­tun­gen in der Hotel­le­rie der Hei­me in Zukunft sicher­zu­stel­len, son­dern auch einen fai­ren Lohn gemäss dem Staats­per­so­nal­ge­setz für alle in den Pfle­ge­hei­men arbei­ten­den Per­so­nen zu garan­tie­ren. «Fast 70 Pro­zent der Betriebs­kos­ten in den Hei­men machen die Per­so­nal­kos­ten aus», so die sozi­al­de­mo­kra­ti­sche Gross­rä­tin. Nicht zuletzt wür­den die Hei­me als Arbeit­ge­ber für diver­se Lehr­lin­ge eine wich­ti­ge gesell­schaft­li­che Funk­ti­on erfül­len.

«Eigentlich nicht ausreichend»

Die Erhö­hung auf 105 Fran­ken erfol­ge auch nicht auf dem Rücken der Bewoh­ner. Nur etwa zehn Pro­zent der Heim­be­woh­ne­rin­nen und -bewoh­ner müss­ten laut Krat­tin­ger- Jutzet den Pen­si­ons­preis selbst bezah­len – und zwar die ein­kom­mens­mäs­sig stärks­te Schicht der Betrof­fe­nen. Bei allen ande­ren kämen der Kan­ton und die Gemein­den dafür auf, in Form von Ergän­zungs­leis­tun­gen.

Krat­tin­ger-Jutzet ist sehr zufrie­den damit, dass sich der Gros­se Rat gegen den Antrag des Staats­rats aus­ge­spro­chen hat, den Pen­si­ons­preis ledig­lich um einen Fran­ken anzu­he­ben. «Aber auch die zwei Fran­ken rei­chen eigent­lich bei wei­tem nicht aus», so die Gross­rätin. «Die Ver­ei­ni­gung frei­bur­gi­scher Alters­ein­rich­tun­gen (VFA) hat sich schon im Früh­ling in einem Brief für einen Preis von 107 Fran­ken aus­ge­spro­chen.» Sie befürch­tet auch, dass der Pen­si­ons­preis in den kom­men­den Jah­ren nicht – wie im Auf­trag gefor­dert – tat­säch­lich an die Inde­xie­rung ange­passt wer­de. Krat­tin­ger-Jutzet hält es durch­aus für mög­lich, dass der neue Preis von 105 Fran­ken nun wie­der ein­ge­fro­ren blei­be, bis die ent­spre­chen­de Auf­ga­ben­tei­lung zwi­schen Kan­ton und Gemein­den im Bereich der Pfle­ge­hei­me neu gere­gelt sei. «Seit ich im Gros­sen Rat bin, ist man dies­be­züg­lich noch kei­nen Schritt wei­ter», beklagt sie.

Vergleich ist kaum möglich

Ein Ver­gleich des Pen­si­ons­prei­ses mit ande­ren Kan­to­nen sei nur bedingt mög­lich, so Krat­tin­ger-Jutzet. Im Kan­ton Bern betra­ge der ent­spre­chen­de Preis bei­spiels­wei­se 170 Fran­ken pro Tag, umfas­se dort aber nicht nur die Kos­ten für die Hotel­le­rie, son­dern auch die Betreu­ungs­kos­ten. «Gemäss der VFA befin­den wir uns im Kan­ton Frei­burg aber eher im unte­ren Seg­ment», sagt sie.