FREIBURG 19.02.2018

 


Die Kan­tons­re­gie­rung nimmt zu vier gross­rät­li­chen Vor­stös­sen zur kan­to­na­len Steu­er­po­li­tik Stel­lung. Sie bejaht eine Sen­kung der Ver­mö­gens­steu­ern, lehnt aber Ver­än­de­run­gen für Eigen­heim­be­sit­zer ab.


Die Steu­er­po­li­tik war das The­ma von vier par­la­men­ta­ri­schen Steu­er­sen­kungs­vor­stös­sen, die im ver­gan­ge­nen Mai und Juni ein­ge­reicht wur­den (die FN berich­te­ten) und die der Staats­rat nun gleich­zei­tig beant­wor­te­te. Die vier Vor­stös­se gin­gen in eine ähn­li­che Rich­tung. Die CVP-Gross­rä­te Mar­kus Bapst (Düdin­gen) und Tho­mas Rau­ber (Tafers) hat­ten in einer Moti­on eine Sen­kung der Ver­mö­gens­steu­ern «in den Bereich des schwei­ze­ri­schen Mit­tels» ver­langt. Dies, weil die Ver­mö­gen natür­li­cher Per­so­nen im Kan­ton Frei­burg im Ver­gleich zu ande­ren Kan­to­nen sehr hoch besteu­ert wür­den. Die SVP-Räte Ema­nu­el Waeber (St. Anto­ni) und Rue­di Schläf­li (Posieux) waren in einer wei­te­ren Moti­on noch kon­kre­ter in ihren For­de­run­gen und ver­lang­ten, dass der Steu­er­fuss der Ein­kom­mens­steu­ern für die Steu­er­pe­ri­ode 2018 auf 95 Pro­zent fest­ge­setzt und der­je­ni­ge der Ver­mö­gens­steu­ern von aktu­ell 100 auf 75 Pro­zent gesenkt wird. Die CVP-Gross­rä­te Hubert Daff­lon (Grol­ley) und Sté­pha­ne Sudan (Broc) for­der­ten zusam­men mit 14 Mit­un­ter­zeich­nen­den in einer drit­ten Moti­on, dass die Steu­er auf den Kapi­tal­leis­tun­gen aus der Vor­sor­ge auf den gesamt­schwei­ze­ri­schen Durch­schnitt her­ab­ge­setzt wird. Und schliess­lich for­der­ten Hubert Daff­lon und Fran­ci­ne Def­fer­ard (CVP, Vil­lars-sur-Glâ­ne) sowie 21 Mit­un­ter­zeich­nen­de in einem Auf­trag, die Erhö­hung der Abzü­ge für die Kran­ken­ver­si­che­rungs­prä­mi­en, die im Rah­men der Struk­tur- und Spar­mass­nah­men 2013–2016 ein­ge­fro­ren wor­den waren, ab der Steu­er­pe­ri­ode 2017 wie­der zuzu­las­sen und den Abzug den kan­to­na­len Durch­schnitts­prä­mi­en für die Grund­ver­si­che­rung anzu­pas­sen.

Steuerbremse wie in Bern

Nun lie­gen die Ant­wor­ten des Staats­rats vor. «Alle die­se Vor­stös­se unter­schei­den sich punk­to Fra­ge­stel­lung und Lösungs­vor­schlä­ge», heisst es dar­in, «alle for­dern aber eine Sen­kung der Steu­er­be­las­tung für die Frei­bur­ger Steu­er­zah­ler und begrün­den die­se For­de­run­gen mit den aus­ge­zeich­ne­ten Rech­nungs­er­geb­nis­sen des Staa­tes in den letz­ten Jah­ren, mit dem Ver­gleich mit der Steu­er­be­las­tung in ande­ren Kan­to­nen sowie mit einer Prü­fung der Kos­ten­ent­wick­lung für die Frei­bur­ger Pri­vat­haus­hal­te.» Die Kan­tons­re­gie­rung weist in die­sem Zusam­men­hang dar­auf hin, dass die öffent­li­chen Haus­hal­te in den kom­men­den Jah­ren auf­grund der Steu­er­vor­la­ge 2017 erheb­li­che Steu­er­ein­bus­sen erlei­den wer­den, wes­halb es eine «mit­tel- und lang­fris­tig kohä­ren­te Steu­er­stra­te­gie für die natür­li­chen und juris­ti­schen Per­so­nen» brau­che und die zur Erfül­lung der staat­li­chen Auf­ga­ben not­wen­di­gen Steu­er­ein­nah­men garan­tiert wer­den müss­ten.

In sei­ner Ant­wort auf die Moti­on Bapst-Rau­ber räumt der Staats­rat ein, dass die Frei­bur­ger im inter­kan­to­na­len Ver­gleich hohe Ver­mö­gens­steu­ern zah­len. Er hal­te es des­halb «für ange­bracht und sogar für not­wen­dig, die­se Steu­ern zu sen­ken». Hand­lungs­be­darf bestehe auch hin­sicht­lich einer Sen­kung der Ver­mö­gens­steu­ern der Unter­neh­mer mit nicht kotier­ten Schwei­zer Wert­schrif­ten. Die Kan­tons­re­gie­rung spricht sich für «ein Sys­tem ähn­lich dem Neu­en­bur­ger Modell» aus, jedoch vor­zugs­wei­se mit einem Abschlag auf dem Steu­er­satz für nicht kotier­te Schwei­zer Wert­pa­pie­re statt einem Abschlag auf der Bemes­sungs­grund­la­ge. Mög­lich wäre auch, dass das ins Unter­neh­men inves­tier­te Ver­mö­gen zu einem nied­ri­ge­ren Satz besteu­ert wür­de. Um wohl­ha­ben­de Steu­er­zah­ler im Kan­ton zu hal­ten, sei «eine Steu­er­brem­se ähn­lich wie im Kan­ton Bern» vor­stell­bar. Damit sol­le die Ver­mö­gens­steu­er auf einen bestimm­ten Pro­zent­satz des Net­to­ver­mö­gens­er­trags begrenzt wer­den – im Kan­ton Bern 25 Pro­zent –, wobei aber eine Min­dest­steu­er fest­ge­setzt wer­de, die nicht unter­schrit­ten wer­den dür­fe. Ein sol­ches Sys­tem wäre aber teu­er und nicht sehr trans­pa­rent.

Der Staats­rat bevor­zugt daher «eine Steu­er­ta­rif­sen­kung, die allen Steu­er­pflich­ti­gen zugu­te­kom­men wür­de». Für Eigen­heim­be­sit­zer braucht es gemäss der Kan­tons­re­gie­rung kei­ne spe­zi­fi­schen steu­er­li­chen Kor­rek­tu­ren. Der Staats­rat bean­tragt daher, die Moti­on Bapst-Rau­ber auf­zu­tei­len und sie im Bezug auf die Eigen­heim­be­sit­zer abzu­leh­nen, im Bezug auf die Sen­kung der Ver­mö­gens­steu­er aber anzu­neh­men. Dies, solan­ge die ent­spre­chen­den Steu­er­ein­bus­sen auf 25 bis 30 Mil­lio­nen Fran­ken begrenzt wer­den. Denk­bar sei auch eine gestaf­fel­te Umset­zung. Auf­grund der hohen Kos­ten, wel­che die Umset­zung die­ser Moti­on nach sich zie­he, müs­se ihre Umset­zung auch zwin­gend an die Ableh­nung der ande­ren bei­den zur Dis­kus­si­on ste­hen­den Motio­nen Waeber-Schläf­li und Daff­lon-Sudan sowie des Auf­trags Daff­lon-Def­fer­ard geknüpft sein. Falls der Gros­se Rat die Auf­tei­lung ableh­ne oder einen oder meh­re­re die­ser ande­ren Vor­stös­se anneh­me, bean­tragt der Staats­rat die Ableh­nung der Moti­on Bapst-Rau­ber.

Zur Moti­on Waeber-Schläf­li hält der Staats­rat fest, dass er gegen die von den bei­den SVP-Räten vor­ge­schla­ge­ne Steu­er­fuss-Sen­kung ist. Er lehnt die Moti­on ab und weist dar­auf hin, dass die Steuerfüs­se der Ein­kom­mens- und Ver­mö­gens­steu­er der natür­li­chen Per­so­nen jedes Jahr vom Gros­sen Rat nach Mass­ga­be des Vor­anschlags­er­geb­nis­ses und nicht der Vor­jah­res­rech­nun­gen fest­ge­setzt wer­den. Gemäss den gesetz­li­chen Vor­ga­ben kön­ne der Gros­se Rat den Steu­er­fuss der Ein­kom­mens- und Ver­mö­gens­steu­er, der Gewinn- und Kapi­tal­steu­er sowie der Mini­mal­steu­er um höchs­tens 20 Pro­zent erhö­hen oder sen­ken. Eine Steu­er­fuss-Sen­kung um 25 Pro­zent bei der Ver­mö­gens­steu­er, wie sie von den Motio­nä­ren gefor­dert wird, wäre mit die­ser Bestim­mung nicht ver­ein­bar. Eine Sen­kung las­se sich weder mit dem Ein­nah­men­über­schuss in der Erfolgs­rech­nung 2016 noch auf der Basis des Vor­anschlags 2018 recht­fer­ti­gen.

Im Mittelfeld der Kantone

Auch der Moti­on Daff­lon-Sudan erteilt die Kan­tons­re­gie­rung eine Abfuhr. Es sei nicht damit zu rech­nen, dass ein Gross­teil der betrof­fe­nen Per­so­nen in den kom­men­den Jah­ren ver­su­chen wür­den, die gesam­te Sozi­al­vor­sor­ge in Kapi­tal­form zu bezie­hen, so der Staats­rat. Wei­ter bewe­ge sich Frei­burg bei der Besteue­rung von Kapi­tal­leis­tun­gen aus der Vor­sor­ge bis 80 000 Fran­ken im Mit­tel­feld der Kan­to­ne. Ledig­lich Kapi­tal­leis­tun­gen von über 200 000 Fran­ken besteue­re er höher als die meis­ten ande­ren Kan­to­ne. Mit der Umset­zung die­ser Moti­on wür­den nur sehr weni­ge Steu­er­pflich­ti­ge steu­er­lich ent­las­tet. Es sei «sinn­vol­ler, für alle Steu­er­pflich­ti­gen vor­teil­haf­te Rah­men­be­din­gun­gen bei der Ver­mö­gens­steu­er zu schaf­fen statt eini­ge weni­ge zu pri­vi­le­gie­ren».

Kei­ne Chan­ce bei der Kan­tons­re­gie­rung hat schliess­lich auch der Auf­trag Daff­lon- Def­fer­ard. Es sei nach vier Jah­ren ohne Anpas­sung der Pau­schal­ab­zü­ge für Krankenver­sicherungsprämien fest­zu­stel­len, dass die gewähr­ten Ab­züge immer noch sehr gross­zü­gig sei­en. Nur die Kan­to­ne Genf und Tes­sin wür­den ­höhe­re Abzü­ge gewäh­ren. Statt­des­sen befür­wor­tet die Kan­tons­re­gie­rung «eine stär­ke­re Unter­stüt­zung von Per­so­nen, die Anspruch auf eine Prä­mi­en­ver­bil­li­gung haben» und ist bereit, fünf bis sie­ben Mil­lio­nen Fran­ken mehr pro Jahr für höhe­re KVG-Sub­ven­tio­nen auf­zu­wen­den.

Reaktionen

Freude hier – Enttäuschung dort

«Ich bin zufrie­den, in dem Sin­ne, dass unse­re Moti­on posi­tiv vom Staats­rat begrüsst wur­de», sag­te Mar­kus Bapst auf Anfra­ge. «Das ist schon ein­mal ein Erfolg.» Die vier vor­lie­gen­den Vor­stös­se gegen­ein­an­der abzu­wä­gen, wer­de indes schwie­rig. Er kön­ne aber damit leben, dass die Eigen­heim­be­sit­zer von der Zustim­mung zu sei­ner Moti­on aus­ge­schlos­sen sei­en. Denn indi­rekt wür­den auch sie von einer Ver­bes­se­rung bei der Ver­mö­gens­steu­er pro­fi­tie­ren.

«Die Ant­wort des Staats­rats geht in die rich­ti­ge Rich­tung», fin­det Tho­mas Rau­ber. Höhe­re Ver­mö­gens­steu­ern wür­den sich nach­tei­lig auf die Inves­ti­tio­nen der Wirt­schaft aus­wir­ken. Nun brau­che es eine detail­lier­te Abklä­rung der ver­schie­de­nen denk­ba­ren Vari­an­ten, und es gel­te, dar­auf zu ach­ten, dass Frei­burg auch im inter­kan­to­na­len Ver­gleich gut daste­he. Die Argu­men­ta­ti­on bezüg­lich der Eigen­heim­be­sit­zer kön­ne er nach­voll­zie­hen.

Rue­di Schläf­li zeig­te sich ent­täuscht von der Ant­wort der Kan­tons­re­gie­rung auf sei­ne Moti­on. «Ich hät­te etwas mehr erwar­tet vom Kan­ton», sag­te er. «Die von uns gefor­der­ten Mass­nah­men, die wir bereits bei der vor­gän­gi­gen Bud­get­de­bat­te ein­ge­bracht hat­ten, hät­ten einer Bud­get­kür­zung von nur 1,7 Pro­zent ent­spro­chen.» Es wäre sicher mög­lich gewe­sen, die­ses Geld ein­zu­spa­ren, so Schläf­li.

«Ich bin sehr ent­täuscht, habe aber nichts ande­res erwar­tet», ergänz­te Ema­nu­el Waeber. «Im Grund­satz wird die SVP-Frak­ti­on alle Motio­nen unter­stüt­zen, bei denen es um Steu­er­sen­kun­gen geht, von den ande­ren bür­ger­li­chen Par­tei­en aber auch das ent­spre­chen­de Gegen­recht ein­for­dern.»

«Ich ver­ste­he gut, dass der Staats­rat nicht Ja zu allem sagen kann», bemerk­te Hubert Daff­lon. «Mög­li­cher­wei­se fühl­te er sich auch durch die­se vie­len Begehr­lich­kei­ten etwas bedrängt.» Die Frak­ti­on wer­de den Kom­pro­miss­vor­schlag des Staats­rats wohl mehr­heit­lich akzep­tie­ren, so Daff­lon. Er zie­he sei­ne Moti­on viel­leicht sogar zurück. Viel­leicht las­se sich die eine oder ande­re der nun im Raum ste­hen­den For­de­run­gen in ein paar Jah­ren ja wie­der reak­ti­vie­ren, wenn die finan­zi­el­le Situa­ti­on des Kan­tons dies erlau­be.

«Jedes Mal, wenn sich Gross­rä­te für Ver­bes­se­run­gen bei den Kran­ken­kas­sen-Abzü­gen aus­spre­chen, ist der Staats­rat dage­gen und will statt­des­sen die Sub­ven­tio­nen erhö­hen», sag­te der Par­tei­prä­si­dent der Grü­nen, Gross­rat Bru­no Mar­mier (Vil­lars-sur-Glâ­ne), der den Auf­trag Daff­lon-Def­fer­ard mit­un­ter­zeich­net hat­te.

Für den SP-Prä­si­den­ten, Gross­rat Benoît Pil­ler (Avry-sur-Matran), ist gegen­wär­tig «ein sehr schlech­ter Moment für sol­che For­de­run­gen». Zunächst gel­te es, die Aus­wir­kun­gen der gegen­wär­tig aktu­el­len Steu­er­vor­la­ge 17 zu dis­ku­tie­ren.