FREIBURG 22.03.2018

 


Der Gros­se Rat hat einer Moti­on zuge­stimmt, die die Sen­kung der Ver­mö­gens­steu­ern auf den natio­na­len Schnitt ver­langt. Der Staats­rat war damit ein­ver­stan­den. Er spricht von rund 30 Mil­lio­nen Fran­ken.


Maxi­mal 25 bis 30 Mil­lio­nen Fran­ken: Um so viel ist der Staats­rat bereit, die Ver­mö­gens­steu­ern im Kan­ton Frei­burg zu sen­ken. Die­se Mass­nah­men sol­len es erlau­ben, dass Frei­burg bei der Ver­mö­gens­steu­er in den Bereich des schwei­ze­ri­schen Mit­tels kommt. Bei Ver­mö­gen von 200 000 Fran­ken bis 600 000 Fran­ken ist die Frei­bur­ger Steu­er der­zeit gar die höchs­te der gan­zen Schweiz.

Der Gros­se Rat hat ges­tern die­se Steu­er­sen­kung mit 51 gegen 39 Stim­men bei zwölf Ent­hal­tun­gen ange­nom­men. Er ent­spricht damit einer Mo­tion der Gross­rä­te Mar­kus Bapst (CVP, Düdin­gen) und Tho­mas Rau­ber (CVP, Tafers). Er folg­te damit auch der Emp­feh­lung des Staats­ra­tes, der in sei­ner Ant­wort geschrie­ben hat­te, er hal­te eine sol­che Steu­er­sen­kung für ange­bracht, ja sogar für not­wen­dig. «Die Regie­rung braucht eine mit­tel- und lang­fris­ti­ge Visi­on. Des­halb hat sie dem Vor­schlag zuge­stimmt», sag­te Finanz­di­rek­tor Geor­ges Godel (CVP). Die Umset­zung die­ser Steu­er­sen­kung muss nun der Staats­rat defi­nie­ren. Godel sag­te, der Staats­rat las­se mit einer Pla­fo­nie­rung von maxi­mal 30 Mil­lio­nen Fran­ken Vor­sicht wal­ten. Even­tu­ell wer­de er die Sen­kung auch etap­pen­wei­se ein­füh­ren.

Der Gros­se Rat hat aber nicht die gan­ze Moti­on von Bapst und Rau­ber ange­nom­men. Wie vom Staats­rat vor­ge­schla­gen, teil­te er die Moti­on auf und lehn­te es mit 48 gegen 45 Stim­men ab, auch die Erhö­hung des Eigen­miet­werts um 10 Pro­zent auf dem Ver­mö­gen rück­gän­gig zu machen.

Wirtschaftsförderung

Für Tho­mas Rau­ber stellt der gest­ri­ge Ent­scheid des Gros­sen Rates eine direk­te Wirt­schafts­för­de­rung dar. Wie er aus­führ­te, inves­tie­ren Unter­neh­mer ihre Ver­mö­gen in die klei­nen und mitt­le­ren Unter­neh­men des Kan­tons. Bei einer hohen Ver­mö­gens­be­steue­rung sei­en die­se Unter­neh­mer aber gezwun­gen gewe­sen, Divi­den­den aus­zu­schüt­ten, um die Ver­mögenssteuer zu inan­zie­ren. Nun könn­ten die frei­wer­den­den Mit­tel für neue Inves­ti­tio­nen gebraucht wer­den.

Mar­kus Bapst ergänz­te, auf die­se Art und Wei­se kön­ne der Basis der Frei­bur­ger Wirt­schaft schnell und ohne zusätz­li­che Stu­di­en Mit­tel zur Ver­fü­gung gestellt wer­den. «Vie­le Mit­tel­ständ­ler haben etwas davon. Heu­te wer­den sie mit der Ver­mö­gens­steu­er geschröpft und bestraft», so Bapst.

Rau­ber ergänz­te, dass so auch wohl­ha­ben­de Per­so­nen im Kan­ton gehal­ten oder sogar ange­lockt wer­den könn­ten. «Man darf nicht ver­ges­sen, dass die­se Per­so­nen das Ver­mö­gen zuvor bereits als Ein­kom­men ver­steu­ert hat­ten.»

Die­se Ansicht und den Opti­mis­mus teil­ten nicht alle im Gros­sen Rat. «Wir dür­fen nicht Geld aus­ge­ben, das wir nicht haben», mahn­te Pierre Mau­ron (SP, Bul­le). «Wir ken­nen bei­spiels­wei­se die Fol­gen der Steu­er­re­form 17 für den Kan­ton noch nicht.» Sein Par­tei­kol­le­ge Phil­ip­pe Savoy (Cor­pataux) erin­ner­te dar­an, dass in der Legis­la­tur 2007 bis 2011 ins­ge­samt 140 Mil­lio­nen Fran­ken an Steu­ern gesenkt wur­den, und dass die­ses Geld danach fehl­te. So sei es zu den Struk­tur- und Spar­mass­nah­men der letz­ten Legis­la­tur gekom­men.

SVP kam nicht durch

Eben­falls mehr­heit­lich gegen die Moti­on der CVP-Gross­rä­te stimm­ten die Mit­glie­der der SVP. Ihr Frak­ti­ons­chef Ema­nu­el Waeber (St. Anto­ni) und Prä­si­dent Rue­di Schläf­li (Posieux) hat­ten näm­lich eine eige­ne Moti­on ein­ge­reicht, in der sie eine Sen­kung der Ver­mö­gens- und der Ein­kom­men­steu­er for­der­ten. Die Ver­mö­gens­steu­er soll­te um 25 Pro­zent und die Ein­kom­mens­steu­er um fünf Pro­zent sin­ken, aller­dings nur für die Steu­er­pe­ri­ode 2018. Wenn ihre Moti­on nicht durch­kom­me, unter­stüt­ze die SVP auch die CVP-Moti­on nicht, hat­te Waeber ange­kün­digt.

Eine drit­te Moti­on über die Sen­kung der Steu­ern auf den Kapi­tal­leis­tun­gen zog Motio­när Hubert Daff­lon (CVP, Grol­ley) zuguns­ten der Moti­on Bapst/Rauber zurück.

Thema

Krankenkassenprämien bleiben beschränkt abzugsberechtigt

Der Pau­schal­be­trag, den die Frei­bur­ger Steu­er­zah­ler in ihrer Steu­er­erklä­rung für Kran­ken­kas­sen­prä­mi­en abzie­hen dür­fen, wird auf dem bestehen­den Wert ein­ge­fro­ren. Die­se Mass­nah­me war Teil des Struk­tur- und Spar­mass­nah­men­pro­gramms, und sie bleibt auch wei­ter­hin gül­tig. Dies hat der Gros­se Rat ges­tern so ent­schie­den und so die Hal­tung des Staats­rats bestä­tigt. Das Par­la­ment lehn­te mit 55 gegen 38 Stim­men einen Auf­trag ab, der die Pau­schal­ab­zü­ge für die Prä­mi­en wie­der erhö­hen woll­te. Gross­rä­tin Fran­ci­ne Def­fer­r­ard (CVP, Vil­lars-sur-Glâ­ne) kri­ti­sier­te an der gest­ri­gen Debat­te, dass der Staats­rat bei der Ein­füh­rung der Mass­nah­me von einer Ein­spa­rung von 1,5  Mil­lio­nen Fran­ken pro Jahr gespro­chen hat­te. Nun aber, da sich der Staats­rat gegen die Auf­he­bung wehrt, gehe der von Kos­ten­fol­gen von mehr als 22  Mil­lio­nen Fran­ken aus. Staats­rat Geor­ges Godel (CVP) ent­geg­ne­te, bei der Ein­füh­rung sei­en die Prä­mi­en um 1,6 Pro­zent ange­stie­gen. Seit­her habe die Erhö­hung aber bis zu 5,2  Pro­zent betra­gen.

Godel sag­te auch, dass der heu­te gel­ten­de Pau­schal­ab­zug wei­ter­hin bei den meis­ten Fami­li­en die tat­säch­li­chen Prä­mi­en abde­cke. Der Auf­trag fand im Links-Lager unter ande­rem auch des­halb kei­ne Mehr­heit, weil eine sol­che Steu­er­erleich­te­rung nach dem Giess­kan­nen­prin­zip erfol­ge. Mehr Zustim­mung fand die Aus­sicht, dass der Staats­rat die Sub­ven­tio­nen auf den Prä­mi­en um 5 bis 7 Mil­lio­nen Fran­ken erhö­hen will. Aller­dings erst ab 2020.