FREIBURG 04.04.2018

 


An der Dele­gier­ten­ver­samm­lung von Raiff­ei­sen Schweiz am 16. Juni in Luga­no wird der Frei­bur­ger Tho­mas Rau­ber für die Wahl in den Ver­wal­tungs­rat vor­ge­schla­gen. Im Gespräch mit den FN gibt er Ein­blick, wel­che Her­aus­for­de­run­gen da auf ihn war­ten. Zuerst war er Ver­wal­tungs­rat, dann Prä­si­dent der Raiff­ei­sen Frei­burg Ost. Mit der Nomi­nie­rung in den Ver­wal­tungs­rat von Raiff­ei­sen Schweiz war­tet nun eine ungleich grös­se­re Her­aus­for­de­rung auf den Tafers­ner Tho­mas Rau­ber.

Sie sind nomi­niert für ein Amt im Ver­wal­tungs­rat der Raiff­ei­sen Schweiz. Befin­den Sie sich jetzt im Wahl­kampf?

Die Nomi­na­ti­on ist ein wich­ti­ger Schritt für die Wahl. Aber gewählt ist man erst, wenn man die Unter­stüt­zung der Dele­gier­ten hat. Inso­fern bin ich im Wahl­kampf. Ich bin über­zeugt, dass die Dele­gier­ten im jet­zi­gen Umfeld Wei­chen stel­len müs­sen. Mei­ne Nomi­na­ti­on geht in die Rich­tung, dass wie­der Ver­tre­ter der Basis mit der Raiff­ei­sen-DNA gefragt sind, wel­che die Raiff­ei­sen von Grund auf ken­nen und sich in den Regio­nen ein­set­zen.

Kom­mu­ni­zie­ren Sie die­se Bot­schaft bei den Dele­gier­ten aktiv?

Ich bin in den Gre­mi­en der Regio­nal­ver­bän­de unab­hän­gig vom jet­zi­gen Wahl­pro­zess schon sehr aktiv. Wir arbei­ten zusam­men, und die Regio­nen por­tie­ren mich auch. Die Nomi­na­ti­on hat der Ver­wal­tungs­rat von Raiff­ei­sen Schweiz vor­ge­nom­men, aber auf Emp­feh­lung der 21 Regio­nal­ver­bän­de. Die Eigen­tü­mer müs­sen im Ver­wal­tungs­rat ver­tre­ten sein. Und ich bin ein sol­cher Eigen­tü­mer­ver­tre­ter.

War­um ist der Ver­wal­tungs­rat auf Sie gestos­sen?

Es ent­spricht dem kla­ren Wunsch der Regio­nal­ver­bän­de, dass unse­re Ban­ken als Eigen­tü­mer wie­der stär­ker im Ver­wal­tungs­rat ver­tre­ten sind. Die Regio­nal­ver­bän­de haben meh­re­re Per­so­nen als mög­li­che Kan­di­da­ten ins Auge gefasst. Dass mein Name in die End­aus­wahl kam, ist wohl auf mei­ne beruf­li­che Erfah­rung und auf mein Netz­werk zurück­zu­füh­ren.

Was ist Ihre per­sön­li­che Moti­va­ti­on, sich für die­ses Amt zur Ver­fü­gung zu stel­len?

Ich war schon als klei­ner Jun­ge eng mit der Raiff­ei­sen ver­bun­den, weil man Gross­va­ter Raiff­ei­sen­kas­sier in Jaun war. Da habe ich mit­er­lebt, was Raiff­ei­sen heisst, näm­lich in der Regi­on eine wich­ti­ge Schar­nier­funk­ti­on wahr­zu­neh­men zwi­schen Per­so­nen, die Geld auf die Bank brin­gen, und sol­chen, die Geld für einen Haus­bau oder die Reno­va­ti­on einer Scheu­ne brau­chen. Das moti­vier­te mich vor zehn Jah­ren, als Ver­wal­tungs­rat von Frei­burg Ost tätig zu wer­den, und das moti­vier­te mich vor drei Jah­ren, das Prä­si­di­um des Regio­nal­ver­ban­des zu über­neh­men. Das spornt mich nun auch an, in die­ser schwie­ri­gen Pha­se für Raiff­ei­sen mit­zu­hel­fen, die Bank wei­ter­hin erfolg­reich zu füh­ren.

Sie gera­ten da in das Auge des Orkans.

Die Erneue­rung des Ver­wal­tungs­rats ist schon län­ger beschlos­se­ne Sache, auch weil es Amts­zeit­be­schrän­kun­gen gibt. Dass ich mich zur Ver­fü­gung stel­le, wur­de somit von die­sem Auge des Orkans nicht beein­flusst. Aber als ich mei­ne Nomi­na­ti­on bestä­tig­te, war ich mir bewusst, dass es momen­tan nicht ein Amt wie jedes ande­re ist. Ich emp­fin­de viel­mehr eine Ver­ant­wor­tung, der ich mit Respekt, aber auch mit dem nöti­gen Selbst­ver­trau­en begeg­ne. Ich will dazu bei­tra­gen, dass wir durch die­se tur­bu­len­ten Zei­ten kom­men. Das geht nur breit abge­stützt: Einer allei­ne kann nichts bewir­ken.

Der Ver­wal­tungs­rat hat der­zeit kei­nen Prä­si­den­ten: Der Vize­prä­si­dent lei­tet ihn inte­ri­mis­tisch. Es gibt wei­te­re Wech­sel im Gre­mi­um. Ist der Ver­wal­tungs­rat im Moment füh­rungs­los?

Der Ver­wal­tungs­rat befin­det sich im Umbruch. Mit dem Inte­rims-Prä­si­den­ten Pas­cal Gan­ten­bein haben wir eine unab­hän­gi­ge, unbe­las­te­te Per­son, wel­che die Füh­rung über­nom­men hat. Füh­rungs­los sind wir also nicht. Aber wir müs­sen uns die Zeit neh­men, den Ver­wal­tungs­rat nach die­sen Tur­bu­len­zen neu zusam­men­zu­set­zen und einen neu­en Prä­si­den­ten zu wäh­len, der durch die Genos­sen­schaf­ten unter­stützt wird. Dann wer­den wir wie­der eine lang­fris­tig gesi­cher­te Füh­rung haben.

Man spricht von Doris Leu­thard als künf­ti­ger Prä­si­den­tin. Könn­ten Sie sich vor­stel­len, mit ihr als Che­fin zusam­men­zu­ar­bei­ten?

Doris Leu­thard war nie offi­zi­ell mit Raiff­ei­sen in Kon­takt, das haben sowohl Raiff­ei­sen als auch Doris Leu­thards Depar­te­ment bestä­tigt. Wer auch immer zukünf­ti­ger Prä­si­dent wird: Es muss eine Per­sön­lich­keit sein, die füh­ren kann und genos­sen­schaft­li­che Inter­es­sen und Wer­te ver­tritt.

Der zukünf­ti­ge Ver­wal­tungs­rat muss die Kraft haben, Spar­ring­part­ner der Geschäfts­lei­tung zu sein.

Die Fin­ma hat neue Vor­ga­ben bezüg­lich der Zusam­men­set­zung eines Bank-Ver­wal­tungs­rats gemacht und ver­langt Fach­kom­pe­ten­zen. Hat Ihre Nomi­na­ti­on auch mit die­sen Vor­ga­ben zu tun?

Mei­ne Nomi­na­ti­on ist im Ein­klang mit der Fin­ma. Der Ver­wal­tungs­rat muss als Team diver­se Rol­len wahr­neh­men kön­nen: Er muss Unab­hän­gig­keit garan­tie­ren, aber auch die Eigen­tü­mer­inter­es­sen ver­tre­ten. Ich kom­me nicht als unab­hän­gi­ger Ver­tre­ter in den Ver­wal­tungs­rat, ich gel­te als abhän­gig. Gemäss den Sta­tu­ten muss die Hälf­te der Mit­glie­der aus der Raiff­ei­sen­bank kom­men. Wir sind eben nicht eine klas­si­sche Bank, son­dern von unten nach oben orga­ni­siert.

Haben Sie eine spe­zi­fi­sche Fach­kom­pe­tenz, die ohne Sie im Ver­wal­tungs­rat nicht vor­han­den wäre?

Unter­ver­tre­ten ist wohl der Bereich der KMU und der Wirt­schaft mit den ent­spre­chen­den Fir­men­kun­den­kennt­nis­sen.

Im Zuge der Ereig­nis­se um den ehe­ma­li­gen Raiff­ei­sen­chef Pie­rin Vin­cenz wur­de der Ver­wal­tungs­rat als Gre­mi­um mit lau­ter Kopf­ni­ckern bezeich­net. Ist der Vor­wurf gerecht­fer­tigt?

Der Ver­wal­tungs­rat muss gestärkt wer­den. Als Genos­sen­schaft sind wir in der Pflicht, Leu­te in den Ver­wal­tungs­rat zu dele­gie­ren, die kri­tisch sind, aber die Grup­pe kon­struk­tiv vor­wärts­brin­gen. Der zukünf­ti­ge Ver­wal­tungs­rat muss die Kraft haben, Spar­ring­part­ner der Geschäfts­lei­tung zu sein. Er muss die Grund­wer­te von Raiff­ei­sen ver­tre­ten und der Geschäfts­lei­tung kla­re Richt­li­ni­en vor­ge­ben.

War dies also in der Ver­gan­gen­heit nicht der Fall?

Im Nach­hin­ein muss man sagen, dass wir Genos­sen­schafts­ver­tre­ter frü­her hät­ten dafür sor­gen müs­sen, den Ver­wal­tungs­rat in die­se Rich­tung zu stär­ken.

Es läuft eine Staf­un­ter­su­chung gegen Pie­rin Vin­cenz, und die Fin­ma unter­sucht die Abläu­fe inner­halb der Raiff­ei­sen­grup­pe. Wel­chen Ein­fluss hat das auf die Arbeit des Ver­wal­tungs­rats?

Zur Arbeit des Ver­wal­tungs­rats kann ich nicht Stel­lung neh­men, weil ich heu­te nicht Teil davon bin. Ich weiss aber, dass die Raiff­ei­sen­grup­pe und ins­be­son­de­re der Ver­wal­tungs­rat die tota­le Zusam­men­ar­beit mit den Unter­su­chungs­be­hör­den zuge­si­chert haben und sich der Ver­wal­tungs­rat auch intern mit die­ser Auf­ar­bei­tung befasst. Volls­te Trans­pa­renz soll gewähr­leis­tet wer­den. Mit den abge­schlos­se­nen Berich­ten wer­den wir dann wei­ter­ar­bei­ten kön­nen.

Die Raiff­ei­sen­grup­pe ist einer­seits Klä­ger, ande­rer­seits durch die Vor­wür­fe irgend­wie auch Ange­klag­te, wenn auch nicht im juris­ti­schen Sinn. Wie geht man mit die­ser Dop­pel­rol­le um?

Wir als Raiff­ei­sen­grup­pe sind in einer Pha­se, in der die Auf­ar­bei­tung wich­tig ist. Dazu gehört, dass Tat­sa­chen bekannt gewor­den sind, wel­che die heu­ti­ge Geschäfts­lei­tung dazu ver­an­lasst haben, eben­falls Straf­an­zei­ge ein­zu­rei­chen.

Sie haben die Sicht von aus­sen: Haben Sie den Ein­druck, gut infor­miert wor­den zu sein, was im Ver­wal­tungs­rat von Raiff­ei­sen Schweiz läuft?

Die Regio­nal­ver­bands­prä­si­den­ten haben in den letz­ten Jah­ren immer wie­der dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die Kom­mu­ni­ka­ti­on ver­bes­sert wer­den muss. Es war schon vor der Affä­re Vin­cenz klar, dass das ein wich­ti­ges Anlie­gen von uns regio­na­len Ver­tre­tern ist. In einer Struk­tur mit 255 Ban­ken und 21 Regio­nal­ver­bän­den ist Kom­mu­ni­ka­ti­on schwie­rig. Die Regio­nal­ver­bän­de waren nicht immer zufrie­den mit der Infor­ma­ti­on und haben das auch kund­ge­tan. Dar­an wur­de und wird immer noch gear­bei­tet.

Wie gross schät­zen Sie den Repu­ta­ti­ons­scha­den für Raiff­ei­sen ein?

Momen­tan haben wir eine schwie­ri­ge Pha­se, weil die Repu­ta­ti­on infra­ge gestellt ist. Aber wir genies­sen immer noch ein sehr gros­ses Ver­trau­en in der Basis bei unse­ren täg­li­chen Kon­tak­ten mit den Kun­den. Es gibt vie­le kri­ti­sche Stim­men und Kun­den, die sich besorgt gezeigt haben. Aber in per­sön­li­chen Gesprä­chen in mei­ner Regi­on erhielt ich nicht den Ein­druck, dass eine gros­se Ver­un­si­che­rung herrscht. Vie­le Kun­den sagen, man müs­se jetzt end­lich Ruhe hin­ein­brin­gen. Aber eine Repu­ta­ti­on wie­der auf­zu­bau­en dau­ert lan­ge.

Die Raiff­ei­sen­bank hat unab­hän­gig von den Gescheh­nis­sen um Pie­rin Vin­cenz Ver­än­de­run­gen durch­ge­macht. Es fand eine Diver­si­fi­zie­rung statt, und gera­de erst wur­de der gröss­te Gewinn in der Geschich­te aus­ge­wie­sen. Ist Raiff­ei­sen noch die etwas ande­re Bank?

Die Ban­ken­welt ver­än­dert sich mit der Digi­ta­li­sie­rung und dem Kun­den­ver­hal­ten. Raiff­ei­sen muss die bestehen­den und tra­di­tio­nel­len Bank­ge­schäf­te wei­ter­hin in hohem Mass pfle­gen, vor allem das Hypo­the­kar­ge­schäft. Aber eine Diver­si­fi­ka­ti­on mit ande­ren Geschäf­ten wie dem Anla­gen­ge­schäft und dem Fir­men­kun­den­ge­schäft ist unab­ding­bar. Pri­va­te Ban­king mit ver­mö­gen­den Per­so­nen ist kein typi­sches Raiff­ei­sen-Geschäft. Des­halb hat man sich in St. Gal­len ent­schie­den, die­ses nicht unter dem Namen Raiff­ei­sen, son­dern mit einer Schwes­ter­ge­sell­schaft zu machen. Und da sind die Syn­er­gi­en noch aus­ge­blie­ben. Wir sind noch nicht am Ende des Weges: Es ist eine Her­aus­for­de­rung, die Raiff­ei­sen Schweiz auf­ar­bei­ten muss.

 

Raiffeisen

Zahlreiche Freiburger in leitender Stellung

Falls Tho­mas Rau­ber am 16. Juni in den Ver­wal­tungs­rat von Raiff­ei­sen Schweiz gewählt wird, tritt er da in die Fuss­stap­fen meh­re­rer ande­rer Füh­rungs­kräf­te aus dem Kan­ton Frei­burg. Auf die­sen Zeit­punkt tritt näm­lich mit Edgar Wohl­hau­ser, ursprüng­lich auch aus Tafers und nun in Arth wohn­haft, ein Frei­bur­ger aus dem Ver­wal­tungs­rat aus. Bis 2002 hat­te mit dem ehe­ma­li­gen CVP-Staats­rat Mari­us Cot­tier gar ein Frei­bur­ger wäh­rend zehn Jah­ren den Raiff­ei­sen-Ver­wal­tungs­rat prä­si­diert. Dar­über hin­aus sitzt seit zwei­ein­halb Jah­ren der Frei­bur­ger Urs Gauch in der Geschäfts­lei­tung von Raiff­ei­sen Schweiz. Er führt dort das Depar­te­ment Fir­men­kun­den. «Ich ken­ne alle drei per­sön­lich sehr gut», sagt Tho­mas Rau­ber. «Aber mei­ne Nomi­na­ti­on geschah ganz unab­hän­gig von ihnen.» Dass Frei­bur­ger in der Raiff­ei­sen­grup­pe immer schon gut ver­tre­ten waren, führt Rau­ber auf die Tra­di­ti­on zurück: Frei­bur­ger Raiff­ei­sen­ban­ken zäh­len zu den ältes­ten der Schweiz. Zudem neh­men die Frei­bur­ger bei Raiff­ei­sen eine Brü­cken­funk­ti­on ein.

 

Zur Person

Finanzfachmann an vielen Fronten

Der 52-jäh­ri­ge Tho­mas Rau­ber aus Tafers ist Inha­ber und Geschäfts­füh­rer einer Invest­ment­ge­sell­schaft, die auf KMU und Start-ups aus­ge­rich­tet ist. Er war zuvor Finanz­di­rek­tor bei Vibro-Meter (heu­te Meg­gitt) und hat­te sei­ne beruf­li­che Lauf­bahn beim Bank­ver­ein begon­nen. An der Uni­ver­si­tät Frei­burg hat­te er ein Lizen­ti­at in Betriebs­wirt­schaft erlangt. Rau­ber prä­si­diert den Ver­band der Deutsch­frei­bur­ger Raiff­ei­sen­ban­ken sowie Raiff­ei­sen­bank Frei­burg Ost. Als Stu­dent wie auch im Berufs­le­ben ver­brach­te er viel Zeit im Aus­land. Tho­mas Rau­ber sitzt für die CVP im Frei­bur­ger Gros­sen Rat. Kürz­lich ist er aus dem Gemein­de­rat Tafers zurück­ge­tre­ten. Mit einem erwar­te­ten Pen­sum von 40 bis 50 Pro­zent bei Raiff­ei­sen wer­de er nach erfolg­ter Wahl wei­te­re Ämter sowohl auf poli­ti­scher Ebe­ne als auch in Ver­wal­tungs­rä­ten von KMU abge­ben, so Rau­ber.