TAFERS 18.05.2018

 


Der lan­ge Umbau des Pfle­ge­heims Mag­gen­berg und der Neu­bau der Demenz­sta­ti­on wirk­ten sich nega­tiv auf die Betriebs­rech­nung des Gesund­heits­net­zes Sen­se aus. Das Defi­zit zulas­ten der Gemein­den ist viel höher als bud­ge­tiert, was bei eini­gen für Unmut sorg­te.


Freud und Leid lie­gen nah bei­ein­an­der. Das erleb­te der Gemein­de­ver­band Gesund­heits­netz Sen­se, der von allen 17 Sen­s­ler Gemein­den getra­gen wird, mit Blick auf das letz­te Betriebs­jahr. Zwar konn­te der Ver­band eine neue Demenz­sta­ti­on ein­wei­hen und den Umbau des Pfle­ge­heims Mag­gen­berg abschlies­sen. «Doch 2017 war im finan­zi­el­len Bereich ein Jahr vol­ler nega­ti­ver Ent­wick­lun­gen und Über­ra­schun­gen», sag­te Geschäfts­lei­ter Gui­do Hagen an der gest­ri­gen Dele­gier­ten­ver­samm­lung in Tafers.

Gemeinden zahlen mehr

Der Vor­stand hat­te die Dele­gier­ten zwar letz­tes Jahr dar­über infor­miert, dass die Bud­get­zah­len wohl nicht ein­ge­hal­ten wer­den kön­nen. Am Ende fiel die Über­schrei­tung mit 644 000 Fran­ken aber noch höher aus als damals befürch­tet. Ins­ge­samt müs­sen die Gemein­den 737 000 Fran­ken für den Betrieb des Gesund­heits­net­zes bezie­hungs­wei­se des Heims Mag­gen­berg bezah­len.

Gui­do Hagen und Ver­bands­prä­si­dent Peter Port­mann erklär­ten, wie das Resul­tat zustan­de gekom­men ist. Einer der Haupt­grün­de ist die per­ma­nen­te Unter­be­le­gung des Heims wäh­rend der Bau­pha­se. Die­se dau­er­te län­ger als vor­ge­se­hen, weil es zu nicht geplan­ten Unter­brü­chen gekom­men war. Der Bele­gungs­grad betrug 81,59  Pro­zent; bis zu 17 Bet­ten waren wäh­rend des gan­zen Jah­res wegen der Bau­ar­bei­ten unbe­legt. «Wir waren bei der Bud­ge­tie­rung zu opti­mis­tisch», erklär­te Gui­do Hagen.

Wei­te­re Fak­to­ren haben zum Minus bei­getra­gen. So hän­gen die Ein­nah­men des Gesund­heits­net­zes direkt mit dem Betrieb des benach­bar­ten Spi­tals zusam­men. Da dort fast ein Jahr lang eine Eta­ge nicht belegt war, konn­te die Küche des Gesund­heits­net­zes weni­ger Mahl­zei­ten lie­fern. Das ergab 188 000 Fran­ken Min­der­ertrag. Der Beschluss des Vor­stands, die Rei­ni­gung nicht aus­wärts zu ver­ge­ben, schlug mit 155 000 Fran­ken Mehr­kos­ten zu Buche. Etwa 95 000 Fran­ken aner­kann­te der Kan­ton bei der Abrech­nung der Pfle­ge­ta­xen nicht, und etwa 190 000 Fran­ken fie­len zusätz­lich an Pfle­ge und Betreu­ung an, um die ers­te Abtei­lung der Demenz­sta­ti­on auf­zu­bau­en.

Kritische Fragen

Die gros­se Dif­fe­renz zum Bud­get pass­te eini­gen Gemein­den nicht. Zwar wur­de die Rech­nung am Ende ein­stim­mig ange­nom­men, doch meh­re­re Dele­gier­te plat­zier­ten mah­nen­de und kri­ti­sie­ren­de Bemer­kun­gen. Allen vor­an war dies die Gemein­de Schmit­ten. «Die Infor­ma­ti­on, dass das Defi­zit viel grös­ser aus­fal­len wird, kam viel zu spät. Die Bud­gets waren zu der Zeit schon gemacht», sag­te Gemein­de­rat Oli­vi­er Flecht­ner. Die schlech­te Aus­las­tung hät­te vor­aus­ge­se­hen und bes­ser ein­be­zo­gen wer­den sol­len. Auch der Ent­scheid des Vor­stands, die Rei­ni­gung nicht aus­zu­la­gern, und die dar­aus resul­tie­ren­den Mehr­kos­ten sorg­ten für Unmut. Oli­vi­er Flech­ter lan­cier­te einen drin­gen­den Appell, sorg­fäl­ti­ger zu arbei­ten und trans­pa­ren­ter zu kom­mu­ni­zie­ren. Dem schlos­sen sich ande­re Gemein­den an.

Massnahmenkatalog gefordert

Gui­do Hagen wies den Vor­wurf von sich, fahr­läs­sig gehan­delt zu haben. Dass dem nicht so sei, hät­ten Vor­stand und Geschäfts­stel­le in den letz­ten Jah­ren bewie­sen. Man­che Fak­to­ren sei­en intern ein­fach nicht zu beein­flus­sen. Bru­no Rie­do, Gemein­de­rat von Ueber­storf, for­der­te mit der Halb­jah­res­bi­lanz und den Bud­get­pro­gno­sen auch ein Mass­nah­men­ka­ta­log, wie all­fäl­li­ge Mehr­kos­ten bekämpft wer­den kön­nen. Der Vor­stand nahm die­se Anre­gung ent­ge­gen.

Bereits jetzt ist klar, dass die Bele­gung für das lau­fen­de Jahr nicht dem Bud­get ent­spricht: Das Pfle­ge­heim ist zwar voll ­belegt, doch konn­ten die zwölf Bet­ten der zwei­ten Eta­ge der Demenz­sta­ti­on nicht in Betrieb genom­men wer­den, weil es an qua­li­fi­zier­tem Per­so­nal man­gelt (die FN berich­te­ten). Wann das Team kom­plett sein wird, konn­ten die Ver­ant­wort­li­chen ges­tern Abend nicht sagen.

ALTERSKONZEPT 2018–2030

Sensebezirk hat die Nase vorn

Die Sen­s­ler Gemein­den haben am Don­ners­tag­abend das Alters­kon­zept 2018–2030 ver­ab­schie­det. Es beschreibt in ver­schie­de­nen Berei­chen wie Woh­nen im Alter, Mobi­li­tät und Infra­struk­tur, Hil­fe und Pfle­ge zu Hau­se, Beein­träch­ti­gun­gen und Behin­de­run­gen sowie Poli­tik den Ist-Zustand und den bis ins Jahr 2030 anzu­stre­ben­den Soll-Zustand. Die Basis der im Kon­zept ange­streb­ten Zie­le ist das neue kan­to­na­le Gesetz «Seni­or plus». Auf die Gemein­den kom­men in den nächs­ten Jah­ren auf­grund der demo­gra­fi­schen Ent­wick­lung gros­se Her­aus­for­de­run­gen zu: 2030 wer­den im Sen­s­e­be­zirk 16,7  Pro­zent der Ein­woh­ner oder 8000 Per­so­nen über 65-jäh­rig sein. 7,5  Pro­zent oder 3587 Per­so­nen­wer­den über 80  Jah­re alt sein.

Das Kon­zept strebt an, die Ange­bo­te im Bezirk zu opti­mie­ren, zu koor­di­nie­ren und zu ver­net­zen. Eini­ge Auf­ga­ben, etwa Infra­struk­tu­ren für Woh­nen im Alter zu schaf­fen, oblie­gen klar den ein­zel­nen Gemein­den. Ande­re Auf­ga­ben über­nimmt der Bezirk, also das Gesund­heits­netz oder die noch zu schaf­fen­de Kom­mis­si­on für Alters­fra­gen.

Für die Umset­zung des Alters­kon­zepts auf Bezirks­ebe­ne und die Schaf­fung der im Gesetz vor­ge­schrie­be­nen Koor­di­na­ti­ons­stel­le auf der ope­ra­ti­ven Ebe­ne rech­net der Gemein­de­ver­band mit jähr­li­chen Betriebs­kos­ten von rund 134 000 Fran­ken. Wie Ver­bands­prä­si­dent Peter Port­mann sag­te, ist der Sen­s­e­be­zirk der ers­te Bezirk im Kan­ton, der über ein bewil­lig­tes Alters­kon­zept ver­fügt.