FREIBURG 12.09.2018

 


In der Kan­tons­ver­wal­tung soll das «Label für die Zwei­spra­chig­keit» geför­dert wer­den. Der Gros­se Rat erklär­te ges­tern ein ent­spre­chen­des Pos­tu­lat von Tho­mas Rau­ber und Lau­rent Thé­voz ein­stim­mig für erheb­lich


Die Zwei­spra­chig­keit gibt im Kan­ton Frei­burg nach wie vor zu reden. Erst letz­ten Mitt­woch mach­te der Stadt­frei­bur­ger Gemein­de­rat publik, dass er sehr zag­haf­te Schrit­te in Rich­tung Zwei­spra­chig­keit der Kan­tons­haupt­stadt unter­neh­men will (die FN berich­te­ten).

Immer­hin mach­te der Gros­se Rat ges­tern einen Schritt vor­wärts. Mit 79 zu null Stim­men erklär­te er ein Pos­tu­lat von Gross­rat Tho­mas Rau­ber (CVP, Tafers) und Alt-Gross­rat Lau­rent Thé­voz (Grü­ne, Frei­burg) für erheb­lich, mit wel­chem das soge­nann­te «Label für die Zwei­spra­chig­keit» in der Kan­tons­ver­wal­tung geför­dert wer­den soll.

Das 1996 in Biel von einer Stif­tung geschaf­fe­ne «Label für Zwei­spra­chig­keit» haben bis heu­te fünf kan­to­na­le Insti­tu­tio­nen erhal­ten, unter ande­rem das Han­dels­re­gis­ter­amt. Wie Rau­ber und Thé­voz in ihrem Vor­stoss ange­regt hat­ten, soll nun eine Mach­bar­keits­stu­die prü­fen, wel­che Leh­ren der Staats­rat aus dem Zer­ti­fi­zie­rungs­pro­zess für die­ses Amt gezo­gen hat, vor allem, was den admi­nis­tra­ti­ven Auf­wand, die Kos­ten für die Umset­zung sowie die Kos­ten-Nut­zen-Bilanz betrifft. Auch soll die Kan­tons­re­gie­rung nun prü­fen, was orga­ni­sa­to­risch und finan­ziell nötig wäre, um das Label in der gan­zen Kan­tons­ver­wal­tung zu gewähr­leis­ten.

Sämt­li­che Frak­tio­nen hat­ten sich für ein Ein­tre­ten aus­ge­spro­chen – wobei es nicht ver­wun­der­te, dass fast aus­schliess­lich Deutsch­frei­bur­ger Abge­ord­ne­te das Wort ergrif­fen.

Ein Siegel für diesen Weg

«Es wird zwar schon viel für die Zwei­spra­chig­keit unter­nom­men: Sprach­kur­se oder Spracht­an­dems bei­spiels­wei­se», sag­te Ber­na­det­te Hän­ni-Fischer (SP, Mur­ten). «Doch es muss noch mehr gesche­hen. Das Ziel müss­te sein, dass eines Tages wirk­lich alle Ver­wal­tungs­mit­ar­bei­ter bei­de Spra­chen spre­chen kön­nen.» Denn sie sei davon über­zeugt, dass nament­lich den jun­gen Frei­bur­ge­rin­nen und Frei­bur­gern bewusst sei, wel­che Chan­cen einem eine geleb­te Zwei­spra­chig­keit eröff­ne, gera­de auf dem Arbeits­markt. «Wir begrüs­sen sehr, dass auch der Staats­rat die­sem Pos­tu­lat gegen­über posi­tiv ein­ge­stellt ist», mein­te Susan­ne Aebi­scher (CVP, Kerz­ers). «Die­ses Label ist wie ein Sie­gel für die­sen Weg, den man beschrit­ten hat.» Das Label sei letzt­lich aller­dings nur eine Mög­lich­keit unter vie­len, die Zwei­spra­chig­keit im Kan­ton zu för­dern. Dies blei­be eine ste­ti­ge Auf­ga­be, bei der etwa auch die Lehr­kräf­te in den Schu­len gefor­dert sei­en.

«Wenn ich höre, was es bei den Frei­bur­ger Behör­den teils noch für Sprach­bar­rie­ren gibt, dann macht mich das wirk­lich besorgt», so Aebi­scher wei­ter. «Wenn ich etwa bei einem Not­fall die Tele­fon­num­mer 117 wäh­le, müss­te man erwar­ten, dass die Per­son am ande­ren Ende der Lei­tung mei­ne Spra­che spricht.» Letzt­lich lie­ge es am Kan­ton, dafür zu sor­gen, dass nur noch zwei­spra­chi­ges Per­so­nal ange­stellt wer­de.

Garantiertes Recht

«Die Zwei­spra­chig­keit ist ein gros­ser Trumpf und ein kla­rer Stand­ort­vor­teil für unse­ren Kan­ton», gab Katha­ri­na Thal­mann-Bolz (SVP, Mur­ten) zu beden­ken. «Doch sie kann nur funk­tio­nie­ren, wenn sie auch tat­säch­lich gelebt und ste­tig wei­ter­ent­wi­ckelt wird.» Der See­be­zirk lebe die­se Zwei­spra­chig­keit, so Thal­mann-Bolz. Doch nun gel­te es auch kan­tons­weit, die Sen­si­bi­li­tät für einen selbst­be­stimm­ten Umgang mit der Mut­ter­spra­che zu erhö­hen. Das «Label für die Zwei­spra­chig­keit» kön­ne hel­fen, die Moti­va­ti­on dafür nach­hal­tig zu erhö­hen. Die Erlan­gung die­ses Labels sol­le für die ein­zel­nen Ämter aber frei­wil­lig blei­ben. «Auch die frei­sin­ni­ge Frak­ti­on unter­stützt die­ses Pos­tu­lat ein­stim­mig», sag­te Syl­via Bai­ut­ti (FDP, Treyvaux). «Denn die Zwei­spra­chig­keit ist nicht nur unse­re Stär­ke, son­dern auch ein ver­fas­sungs­mäs­sig garan­tier­tes Recht.»

Pao­la Ghiel­mi­ni Kray­en­bühl (Grü­ne, Cor­pataux) erteil­te dem Anlie­gen schliess­lich auch sei­tens der Mit­te-links-Grün-Frak­ti­on ihren Segen – und gab sich dabei sicht­lich Mühe, einen Teil ihres Votums auf Deutsch vor­zu­brin­gen. «Die­ses Label kann dem Kan­ton nicht nur hel­fen, sei­ne Zie­le bezüg­lich Zwei­spra­chig­keit zu errei­chen», sag­te sie, «es ist auch ein regel­rech­tes Manage­ment-Tool.»