DÜDINGEN 13.10.2018

 


(Titel­be­richt)

Ab 2019 soll der Pen­si­ons­preis für Pfle­ge­hei­me um einen Fran­ken auf 104 Fran­ken pro Tag und Per­son stei­gen.

Die Inter­ven­ti­on von 30 Gross­rä­tin­nen und Gross­rä­ten zeigt Wir­kung: Der seit 2012 ein­ge­fro­re­ne Pen­si­ons­preis von 103 Fran­ken pro Tag und Heim­be­woh­ner wird auf 2019 um einen Fran­ken und auf 2020 um einen wei­te­ren Fran­ken auf 105 Fran­ken erhöht. Dies ent­las­tet die Gemein­den als Trä­ger­schaf­ten, da sie für die nicht gedeck­ten Hotel­le­rie- und Ver­wal­tungs­kos­ten ihrer Heim­be­woh­ner auf­kom­men müs­sen. Für den Kan­ton bedeu­tet dies Mehr­aus­ga­ben von rund einer Mil­li­on Fran­ken pro Jahr, da die Mehr­heit der Heim­be­woh­ner auf Ergän­zungs­leis­tun­gen ange­wie­sen ist, die der Kan­ton zahlt.

«So ganz zufrie­den bin ich nicht», sagt Gross­rä­tin Ursu­la Krat­tin­ger-Jutzet (SP, Düdin­gen), die den Vor­stoss zusam­men mit Tho­mas Rau­ber (CVP, Tafers) initi­iert hat­te. Denn eigent­lich hat­ten die Gross­rä­te bereits auf 2019 eine vol­le Erhö­hung um zwei Fran­ken ver­langt. «Ich bin über­zeugt, dass die­ser Vor­schlag durch­ge­kom­men wäre. So wür­den die Hei­me bereits 2019 um die­se zwei Fran­ken ent­las­tet.» Die nun vor­lie­gen­de Lösung ist eine Art Kom­pro­miss in letz­ter Minu­te. Denn der par­la­men­ta­ri­sche Vor­stoss war nach dem Ein­rei­chen im Dezem­ber 2017 irgend­wo zwi­schen Büro des Gros­sen Rates und Staats­rat «unter­ge­gan­gen» – wo genau es geh­arzt hat, will heu­te nie­mand mehr wis­sen, wie die Gross­rä­tin den FN sagt. Ges­tern haben sich eine Dele­ga­ti­on des Staats­ra­tes und die Frak­ti­ons­chefs des Gros­sen Rates zu einer Aus­spra­che getrof­fen und sich auf eine schritt­wei­se Erhö­hung des Pen­si­ons­prei­ses geei­nigt. Der Gros­se Rat wird dar­über spä­ter abstimmen.Heime und Gemein­den reagie­ren posi­tiv auf die Erhö­hung des Pen­si­ons­prei­ses. Es sei ein Schritt in die rich­ti­ge Rich­tung, sagt etwa Dani­el Cor­pataux, Heim­lei­ter in Gif­fers. Um alle Betriebs­kos­ten zu decken, müss­te der Pen­si­ons­preis aber deut­li­cher erhöht wer­den.

(Haupt­ar­ti­kel)

Der Kan­ton Frei­burg erhöht den Pen­si­ons­preis für Pfle­ge­hei­me schritt­wei­se bis 2020 um zwei Fran­ken auf 105 Fran­ken. Dar­auf reagie­ren Hei­me und Gemein­den posi­tiv. Sie beto­nen aber auch, dass das nicht reicht, um alle Betriebs­kos­ten zu decken.

Wer im Kan­ton Frei­burg in einem Pfle­ge­heim wohnt, zahlt für den Auf­ent­halt die Kos­ten für Pfle­ge und Betreu­ung, die gröss­ten­teils durch Kran­ken­kas­sen, Ren­ten und Kan­tons­bei­trä­ge gedeckt sind, aber auch die Pen­si­ons­kos­ten. Mit dem Pen­si­ons­preis deckt die Heim­lei­tung die Zim­mer­mie­te mit Strom, Was­ser und Rei­ni­gung, die Mahl­zei­ten, das Waschen der Wäsche, Ver­si­che­run­gen und die Ver­wal­tung – all das macht rund 70 Pro­zent der Betriebs­aus­ga­ben eines Heims aus.

Seit 2012 unverändert

Die Höhe des Pen­si­ons­prei­ses wird vom Kan­ton für alle Hei­me ein­heit­lich fest­ge­legt. Betriebs­kos­ten, die nicht über die­se Ein­nah­men gedeckt wer­den kön­nen, muss die Trä­ger­schaft über­neh­men, also die Gemein­den. 2012, als der Kan­ton Frei­burg ein Spar­pa­ket schnür­te, wur­de der Pen­si­ons­preis bei 103 Fran­ken pro Tag und Bewoh­ner ein­ge­fro­ren. Die Aus­ga­ben der Hei­me für den Betrieb sind aber kon­ti­nu­ier­lich gewach­sen: Die Kos­ten für Löh­ne und Sozi­al­leis­tun­gen sind gestie­gen, eben­so für Ener­gie und Lebens­mit­tel. Mehr­kos­ten erga­ben sich auch, weil immer höhe­re Anfor­de­run­gen an die Hei­me gestellt wur­den, zum Bei­spiel in Bezug auf Pati­en­ten­dos­siers und Arbeits­si­cher­heit. Seit Jah­ren sor­gen die stei­gen­den Bei­trä­ge für die unge­deck­ten Kos­ten bei den Gemein­den für Ärger, weil sie die­se nicht beein­flus­sen kön­nen (die FN berich­te­ten). Nach den Berech­nun­gen der Hei­me müss­te der Pen­si­ons­preis min­des­tens 117 Fran­ken betra­gen, damit die Kos­ten eini­ger­mas­sen im Lot blei­ben. Dies sag­te Geschäfts­lei­ter Gui­do Hagen an der Dele­gier­ten­ver­samm­lung des Gesund­heits­net­zes Sen­se am Don­ners­tag. Das Gesund­heits­netz betreibt im Auf­trag der Sen­s­ler Gemein­den das Pfle­ge­heim Mag­gen­berg in Tafers.

Schrittweise Erhöhung

Etwas Erleich­te­rung gibt es nun ab dem kom­men­den Jahr. Der Kan­ton hebt den Pen­si­ons­preis ab 2019 um einen Fran­ken auf 104 Fran­ken an, für 2020 um einen wei­te­ren Fran­ken auf 105 Fran­ken. Die­se Ände­rung bewirkt hat ein par­la­men­ta­ri­scher Vor­stoss, der über­par­tei­lich von 30 Gross­rä­tin­nen und Gross­rä­ten ein­ge­reicht wur­de (sie­he Kas­ten).

In die richtige Richtung

Die Pfle­ge­hei­me und Gemein­den reagie­ren posi­tiv auf die Neu­ig­keit. Für die Stif­tung St. Wolf­gang, die im Sen­se-Unter­land vier Pfle­ge­hei­me mit 166 Bet­ten betreibt, macht dies einen Betrag von 65 000 Fran­ken pro Jahr aus, wie Stif­tungs­rats­prä­si­den­tin Ursu­la Krat­tin­ger-Jutzet erklärt. Als Initi­an­tin des Vor­stos­ses ist sie froh, dass sich die Situa­ti­on ein wenig ver­bes­sert. Es sei für die Stif­tung nicht ein­fach gewe­sen, mit den stei­gen­den Betriebs­kos­ten, etwa für die Löh­ne, umzu­ge­hen.

Ein Fran­ken mehr pro Tag an Pen­si­ons­ein­nah­men bedeu­tet für das Pfle­ge­heim Ärge­ra in Gif­fers ein Plus von rund 13 150 Fran­ken, sagt Heim­lei­ter Dani­el Cor­pataux den FN – bei einem Betriebs­de­fi­zit von 190 000 Fran­ken. «Es ist ein Trop­fen auf den heis­sen Stein, aber auch ein Schritt in die rich­ti­ge Rich­tung.» Den höhe­ren Pen­si­ons­preis müs­sen die Heim­be­woh­ner über­neh­men. Cor­pataux erwar­tet Reak­tio­nen sei­tens der Heim­be­woh­ner und Ange­hö­ri­gen. «Es ist nicht lan­ge her, dass Bewoh­ner von der Abschaf­fung der Medi­ka­men­ten­pau­scha­le und den damit stei­gen­den Kos­ten erfuh­ren. Nun kommt noch die Erhö­hung des Pen­si­ons­prei­ses hin­zu.»

Emma­nu­el Michiel­an, Gene­ral­se­kre­tär der Ver­ei­ni­gung frei­bur­gi­scher Alters­ein­rich­tun­gen, ist ande­rer Mei­nung. Rund 80 Pro­zent der Heim­be­woh­ner erhiel­ten Ergän­zungs­leis­tun­gen. Die Aus­gleichs­kas­se über­neh­me somit die Kos­ten. Es freue ihn, dass der Kan­ton nun den Pen­si­ons­preis anhe­be. «Es erlaubt den Pfle­ge­hei­men, kurz durch­zu­at­men.»

Auch das Gesund­heits­netz Sen­se neh­me «jede Erhö­hung der Pen­si­ons­prei­se mit Wohl­wol­len ent­ge­gen», sagt Prä­si­dent Peter Port­mann. Die Erhö­hung von einem Fran­ken bedeu­te eine jähr­li­che Zusatz­ein­nah­me von 33 000 Fran­ken.

AUFTRAG

Kompromiss gefunden

Am 18. Dezem­ber 2017 haben 30 Gross­rä­te aller Par­tei­en einen par­la­men­ta­ri­schen Vor­stoss in Form eines Auf­trags ein­ge­reicht, um eine Erhö­hung des Pen­si­ons­prei­ses von zwei Fran­ken ab 2019 zu erzie­len. «Nach Bestä­ti­gung des Ein­gangs herrsch­te Funk­stil­le», sagt SP-Gross­rä­tin Ursu­la Krat­tin­ger-Jutzet, die den Vor­stoss mit Tho­mas Rau­ber (CVP, Tafers) initi­iert hat­te. Gemäss Gesetz hät­te der Staats­rat innert fünf Mona­ten ant­wor­ten müs­sen. Wie sie erklärt, will heu­te nie­mand mehr wis­sen, wo der Vor­stoss ste­cken­ge­blie­ben ist.

Ges­tern hat sich eine Dele­ga­ti­on der Regie­rung mit den Frak­ti­ons­chefs in die­ser Sache getrof­fen. Der Vor­schlag lau­tet nun, dass dem Gros­sen Rat in der Novem­ber­ses­si­on, bevor über das Bud­get dis­ku­tiert wird, ein Dekret über die schritt­wei­se Pen­si­ons­preis-Erhö­hung vor­ge­legt wird. Das kos­tet den Kan­ton eine Mil­li­on Fran­ken mehr pro Jahr, weil vie­le Heim­be­woh­ner Ergän­zungs­leis­tun­gen bezie­hen. Nicht ganz nach­voll­zieh­bar ist für Ursu­la Krat­tin­ger-Jutzet, wie der Staats­rat die Zusatz­aus­ga­be für 2019 kom­pen­sie­ren will, näm­lich in Form eines Nach­trags­kre­dits an den Gros­sen Rat.

Eine Unsi­cher­heit dar­über, ob nun alles wie vor­ge­se­hen läuft, besteht noch: Der Gros­se Rat muss dem Vor­schlag zustim­men. Die Düdin­ger Gross­rä­tin weiss, wie sie reagie­ren wird, soll­te das Dekret nicht wie bespro­chen vor­ge­legt wer­den: «Ich wür­de bean­tra­gen, dass das Bud­get nicht ange­nom­men wer­den darf, weil das Gesetz nicht ein­ge­hal­ten wur­de.»